16.03.2022
Grüezi mitenand

Grüezi mitenand

Das Berner Mittelland und das Emmental mit seinen traumhaften Landschaften, den sanften Hügeln, dem Blick auf die Jurahöhen am Horizont, das ist meine Wahlheimat. In Hindelbank bin ich oft vorbeigefahren und dachte, das schöne Zentrum mit Kirche, Pfarrhaus und Kirchgemeindehaus lädt zum Verweilen ein.

Aufgewachsen bin ich im Appenzellerland. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Trogen begann ich in Basel das Theologiestudium bis zur Zwischenprüfung. Danach plante ich ein Auslandjahr und machte mich in Zentralamerika auf die Suche nach der «wahren Kirche». Am Seminario Biblico Latinamericano in San José, Costa Rica, sowie bei den Basisgemeinden in San Salvador und in Guatemala fand ich spannende Gesprächspartner*innen und lernte Gemeindeprojekte kennen. Die Basisgemeinden lebten eine gemeinschaftliche Kirche auf der Grundlage einer kritischen und realitätsbezogenen Bibellektüre. Daraus entstand soziales Engagement für benachteiligte Menschen in den Elendsquartieren der Städte.

 

Zurück in der Schweiz befriedigte mich die akademische Theologie nicht mehr. Also beschloss ich, einen radikalen Bruch zu machen und nahm eine Stelle als Maler-Handlangerin an. Dort blieb ich mehr als ein Jahr. Die Arbeit auf dem Bau half mir, mich zu «bödelen», und ich gewann dort gute Kollegen. Diese überzeugten mich dann aber davon, dass ich wieder zurück an die Uni gehen müsse. Ich solle die akademische Ausbildung abschliessen, diese habe schliesslich schon viel gekostet, und ich würde auch meine beruflichen Möglichkeiten verschwenden. «Aber vergiss uns nicht», sagten sie damals. Aus dieser Zeit ist mir die Überzeugung geblieben, dass Kirche nicht um sich selber kreisen, sondern immer «für Andere» da sein soll.

 

Nach dem Studium trat ich meine erste Stelle als Pfarrerin in Bösingen an, im deutschsprachigen Teil des Kantons Freiburg. Gottesdienste wurden in der Aula des Schulhauses und in der katholischen Kirche gefeiert. Es folgten einige Jahre, in denen ich drei Kinder aufzog, und daneben Bürojobs oder Pfarr-Stellvertretungen übernahm. Neun Jahre war ich bei den gesamtkirchlichen Diensten der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn tätig. Meine Schwerpunkte waren Sektenberatung und Kontakte zu evangelischen Gemeinschaften und Bewegungen sowie Unterstützung und Beratung bei Gemeindeprojekten in Gottesdienstentwicklung, gemeinsam mit Kolleg*innen aus dem Pfarrverein, dem Organistenverband und dem Sigristenverband sowie Fachleuten von Theater und Schauspielkunst.

 

Persönlich schöpfe ich Kraft aus den biblischen Texten mit ihren Kraftworten, deren «Spirit» nach wie vor lebendig ist. Die biblische Botschaft trägt und fordert mich heraus. Dies in aktuelle, packende Sprache zu bringen ist eines meiner wichtigsten Anliegen. Gerne suche ich dazu auch das Gespräch mit Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen.

 

Pfarrerin sein bedeutet für mich, einen Beruf auszuüben, in dem ich Zeit für Menschen habe. Für mich ist dies ein zutiefst geistlicher Beruf, eine Lebensaufgabe, die sich nicht an fixe Arbeitszeiten hält, sondern sich dynamisch und flexibel gestaltet.

 

Besonders freue ich mich auf die Gottesdienste in Ihrer schönen Kirche, aber auch auf Begegnungen mit Ihnen im Alltag, auf die Zusammenarbeit mit der Kollegin, dem Kirchgemeinderat und den Mitarbeitenden, auf das gemeinsam unterwegs sein im Umgang mit aktuellen Themen.

Susanna Meyer, Pfarrerin

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